Fremd- vs. Selbstbezeichnung

Der Begriff „Zigeuner“ war nie eine Selbstbezeichnung und war immer diskriminierend. Er wird von der Mehrheit der damit gemeinten Menschen abgelehnt. Das Wort kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Unberührbare“. Über die Jahrhunderte wurden Sinti und Roma unter diesem Begriff sozial gebrandmarkt und verfolgt. Schließlich wurde mit der rassistischen Ideologie des deutschen Nationalsozialismus auch die systematische Ermordung der Minderheitsangehörigen in ganz Europa unter diesem Label gerechtfertigt. Ein Begriff, der strukturelle Gewalt bis hin zum Genozid normalisiert hat, ist weder „neutral“ noch „normal“.

Die Selbstbezeichnung der größten ethnischen Minderheit Europas ist Roma und kommt aus der eigenen Sprache – dem Romanes. Die Selbstbezeichnung bedeutet Menschen oder Männer. Einen (Ehe-)Mann bezeichnet man als Rom und eine (Ehe-)Frau als Romni. Eine Gruppe von Frauen sind dann Romnja. Daher sind die gegenderte Versionen Sinti:zze und Rom:nja.

Sinti/Sinti:zze nennt sich jene Gruppe, deren Angehörige seit über 600 Jahren hauptsächlich in den deutschsprachigen Gebieten leben. Die offizielle Bezeichnung in Deutschland ist, entsprechend der beiden größten hier lebenden Gruppen, Sinti und Roma/Sinti:zze und Rom:nja. Dieser gepaarte Begriff ist daher nur im deutschsprachigen Raum üblich.

In Gesprächen über die Fremdbezeichnung weisen manche Menschen darauf hin, dass Rom:nja „sich selbst so nennen“. In der Tat gibt es Rom:nja und Sinti:zze, die diesen Begriff nutzen. Das kann jedoch viele Gründe haben. Zum Beispiel, weil sie sich die Bezeichnung empowernd aneignen. Oder weil sie die rassistische Fremdbezeichnung durch alltägliche und transgenerationale Diskriminierungserfahrung verinnerlicht haben. Oder weil sie von ihrem Gegenüber nicht verstanden werden, wenn sie sagen, sie seien Roma. Das ist ihr Recht. Der Begriff sollte grundsätzlich nicht von Menschen genutzt werden, die nicht zur Minderheit gehören.

Manche Menschen greifen auf die Wendung „Z-Wort“ zurück. Einige Aktivist:innen aus der Community sehen diesen Begriff jedoch als problematisch an, weil schon der alleinstehende Buchstabe „Z“ in diesem Kontext retraumatisierend wirken kann. Denn Rom:nja waren die einzige Opfergruppe, der in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten nicht nur eine Häftlingsnummer, sondern auch ein „Z“ in den Arm tätowiert wurde.