RBB Abendschau 10.07.: Sommerschule für Sinti und Roma

In Neukölln leben mittlerweile Tausende Roma, 500 alleine in der Harzer Straße. Ihr Alltag ist gekennzeichnet von ausbeuterischen Arbeitgebern, Vermietern und Vorurteilen. Immer noch werden die Roma als "wanderndes Volk" wahrgenommen. Sie wollen hier bleiben - und dürfen das nach EU-Recht auch. Berlin steuert auf ein neues Integrationsproblem zu. Doch nun bewegt sich etwas im Kiez. Bildungssenator Zöllner beschließt die Finanzierung einer Sommerschule für die Kinder der Sinti- und Romafamilien. Dort gibt es Sprachunterricht, Schul-Vorbereitungskurse, deutsche Kultur und Ausflüge. Video online
Beitrag von Katalin Ambrus

 

Publikation - Aus Politik und Zeitgeschichte (BpB): Sinti und Roma

Die Ausgrenzung von Sinti und Roma in Europa begann mit der Herausbildung der Territorialstaaten. Über 500.000 aus "rassischen" Gründen als "Zigeuner" Verfolgte wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Erst 1982 erkannte die Bundesregierung den Völkermord an. Rund 70.000 Sinti und Roma sind deutsche Staatsbürger. Mehr als drei Viertel der nationalen Minderheit haben Diskriminierungserfahrungen gemacht. Nach dem Abschluss des deutsch-kosovarischen "Rückübernahmeabkommens" stehen Roma aus dem ehemaligen Jugoslawien vor der Abschiebung, darunter viele, die hier geboren und aufgewachsen sind. Die EU-Kommission hat den Mitgliedstaaten aufgetragen, nationale Roma-Strategien zu entwickeln.

Der Beitrag enthält verschiedene Artikel zum Thema "Die größte Minderheit in Europa" von Mitgliedern von ternYpe - International Roma Youth Network, Amaro Drom e.V. und Terno Drom e.V.

"WIE KANN MAN STABILE STRUKTUREN FÜR ROMA AUFBAUEN?"

Nicht nur die deutschsprachigen Straßenzeitungen fragen sich:

Durch die harten Lebensbedingungen in den ehemals sozialistischen Ländern verjagt, befindet sich europaweit eine große Zahl von Roma auf der Suche nach neuen Lebensmittelpunkten. Vom kompletten Ausschluß bis zur fraglosen Integration in den Vertrieb, zeigen die Straßenzeitungen in Berlin, Hamburg, Bochum oder Wien sehr unterschiedliche Wege die große gesellschaftliche Frage der Überlebensmöglichkeiten von Roma zu beantworten. 
Kerstin Kellermann 20.05.2011

„Als im Gorlitzer Park 200 Menschen offen campierten, war die Stadt Berlin überfordert. Die Roma kommen ganz legal mit dem Linienbus am Zentralen Omnibus Bahnhof in Deutschland an“, erzählt Hamze Bytyci von der Roma-Jugend Organisation „Amaro Drom“ und lacht. „Der Berliner Senat wollte mit dem ‚Rädlsführer’, dem ‚Zigeunerkönig’, dem patriarchalen Chef reden – so denken die. Es gab natürlich keinen Anführer.“ Hamze machte sich in Wien anläßlich des „Ideen- und Impulstages der deutschsprachigen Straßenzeitungen“, der unter dem Titel „Arm gegen Ärmer?! Roma, AsylwerberInnen und die Einheimischen – Armut in verschiedenen Kulturen“ statt fand, seine Gedanken über Jobs für osteuropäische Roma, „die ich ja nicht alle bei den Straßenzeitungen unterbringen will! “: „Rosenverkäufer, Scheibenputzer, Hilfsarbeiter bei türkischen Migranten, den wahren Drückerkolonnen – alles was an niederschwelliger Arbeit vorhanden ist, wird überrannt. In Berlin wird auch bald ein Bettelverbot kommen.“